Cyprus Aphrodite Half Marathon

 

mit historischen Anmerkungen!
23. November 2003
 
 

Sicher handelt es sich um eine üble Nachrede von anderen Laufveranstaltern, wenn behauptet wird, dass der Paphos-Halbmarathon nur deshalb für viele Läufer so attraktiv ist, weil es nach dem Lauf vom Hauptsponsor KEO kostenlos Wein und Bier bis zum Abwinken gibt.
Es ist einfach eine schöne Veranstaltung mit einem Urlaub drumherum. Mit täglich blauem Himmel, während daheim die dunkle Jahreszeit begonnen hat. Der Veranstalter "Cyprus Health Runners Club" hat mit viel Liebe und Sorgfalt diesen Lauf vorbereitet. Der Kurs hat nur geringere Höhendifferenzen, führt zum Teil durch touristisches Gebiet mit viel Grün aber kaum Schatten. Zwischendurch geht die Strecke in Sichtweite am Meer entlang, vorbei an den historischen Stätten der Stadt Kato-Paphos (so um 400 v.Chr. gegründet).

Die Mehrheit der Läufer kam aus Deutschland und Großbritannien. Zahlreicher als Griechen und  Zyprioten waren die Soldaten der British Base und der UN vertreten.
Auf dem Siegertreppchen dominierte jedoch die griechisch/zypriotische Fraktion.

Start und Ziel ist der Sportplatz des Cypria Maris Hotels. Dabei wird bis zu einer Wendemarke auf der Landstraße bis zur Coral Bay gelaufen, um dann das Höhenprofil von hinten aufzurollen. Das ist eigentlich nicht weiter unangenehm. Und als mir der griechische Spitzenathlet in Höhe der Nekropole (Totenstadt außerhalb der Stadtanlage, genutzt vom 3. Jahrhundert v.Chr. bis zum 3. Jahrhundert n.Chr.) so leichtfüßig wie der Götterbote Hermes mit seinen kleinen Flügelchen an den Füßen  entgegeneilt, erhält er noch freudig Beifall von mir. Denn ich denke, er bringt mir die Botschaft von der baldigen Wendemarke.
Die kommt aber nicht so schnell und so kämpfe ich gegen Sonne und leichte Steigung und meine Stimmung geht leicht bergab. Immer mehr Läufer kommen mir entgegen und von Wasserstation und Wendemarke ist weit und breit  nichts zu sehen. Irgendwann jedoch taucht diese Oase in der Wüste vor mir auf. Kurze Zeit später schütte ich mir einen Becher Wasser unter das Singlet, trinke einen zweiten im Laufen. Da es nun bergab geht, mache ich etwas mehr Tempo, vorbei an der byzantinischen Burg zur Rechten (von den Byzantinern erbaut und nach 1191 von den Kreuzfahrern erweitert) und laufe in Richtung Hafen.
Kurz davor gibt es wie im letzten Jahr auf rund 300 Metern reichlich Gedränge. Autofahrer im Stop-and-go-Verkehr und Läufer versuchen sich gegenseitig den Platz streitig zu machen und nutzen zum Überholen jede Lücke. Mit Ausnahme dieses Engpasses ist jedoch die Strecke vom Verkehr freigehalten.

Unten im Hafen, so bei Kilometer 15, geht es nun wieder leicht bergan. Da stehen die meisten Zuschauer. Einige sitzen in den Straßencafés, schwitzen beim Mittagessen. Lassen sich ein oder mehrere Pints Bier schmecken, freuen sich über die Läufer, dass diese so sportlich sind und feuern die Athleten an.
Danach sind an dem weniger attraktiven Teilstück der Strecke, die etwa zwei Kilometer Straße mit den Hotels, weniger Zuschauer. 

Die letzten drei Kilometer zum Ziel führen nun durch Felder und Orangenplantagen. Die leichte Steigung und die Mittagssonne bremsen das Tempo, aber schon sind die Lautsprecher vom Sportplatz zu hören. Einmal links und zweimal rechts abbiegen, dann sehe ich meine Frau wie die Siegesgöttin am Eingang zum Sportplatz stehen. Eine Stadionrunde noch und schon vor dem Ziel werden reichlich Endorphine vom Zypernhimmel über mich ausgeschüttet.
Ich war acht Minuten länger als beim Hannover-Halbmarathon unterwegs. Lasse mich aber trotzdem tief zufrieden auf den Rasen sinken. Meine Siegesgöttin bringt mir zwar keinen Lorbeerkranz als Preis, dafür aber ein Paar Funktions-Laufsocken und eine köstliche Flasche Wasser. Ich bin glücklich! Nike strahlt.

Um 20.00 Uhr fand als krönender Abschluss dieses schönen Tages noch das Galadinner für die Athleten und deren Begleitpersonen im Cypria Maris Hotel statt. Beim Halbmarathon haben 263 Sportler das Ziel erreicht, der Spargelsprinter lag auf dem 131. Platz. Beim Marathon waren 47 Finisher zu verzeichnen.
Die vom Sportreiseveranstalter Kreienbaum aus Münster durchgeführte einwöchige Laufreise hat wohl allen Teilnehmern sehr gut gefallen. Neben täglichen Trainingsläufen bestand die Möglichkeit die nähere oder weitere Umgebung zu erkunden.
 
So z.B. den historischen Teil der Stadt Kato-Paphos, der so bei Kilometer 6 auf der linken Seite zwischen dem Meer und der Laufstrecke liegt. Auf dem unteren Foto sitzt der Athlet aus Hänigsen auf dem Pflaster der Agora (in antiker Zeit eine Art Marktplatz) des im 4. Jh. v.Chr. von König Nikokles gegründeten Stadtkönigreiches. Im Hintergrund ist das Odeon (das römische Theater aus dem frühen 2. Jahrhundert n.Chr.) zu erkennen. Links davon ist das Asklepeion zu erahnen. Es war dem Gott der Heilkunst, dem Asklepeios, geweiht und war auch eine Art Klinik und Ausbildungsort.
Asklepeios brauchte jedenfalls bei keinem Sportler am KEO-Getränkewagen bemüht zu werden, obwohl der Wein einfach köstlich war und reichlich Zuspruch fand.