|
War
das ein tolles Wetter, es war mindestens 22 Grad warm, kurze Hose und
T-Shirt war Pflicht. Wir genossen den Tag auf der Terrasse und
übten uns in Entspannung, denn morgen, ja morgen am 2. Mai
hatten wir endlich
wieder den
Marathon vor der Haustür!
Seit
Wochen war es ein Thema beim Lauftreff, aber auch in der Zeitung wurde
im Vorfeld berichtet, über das Starterfeld mit bekannten
Läufern und dass die Grenze von 10.000 Läufern
geknackt werden sollte, was
dann tatsächlich auch gelang. Insgesamt waren 11.158
Teilnehmer auf der Strecke. Im Internet konnte man täglich die
Neuigkeiten nachlesen
und so stimmte ich mich auch auf das Ereignis ein. Ich ließ
mich von der Euphorie anstecken und meldete mich am Samstag im Rathaus
von
Hannover noch an, etwas unsicher war ich schon, da ich die letzten
Wochen mehr beim Zahnarzt verbrachte als bei der Laufgruppe und so
nicht recht
wusste, wo ich eigentlich mit meiner Fitness stehe. Aber andere
Lauffreunde und -innen machten mir Mut, frei nach dem Motto einen 21er
schafft man
schon.
Eine
Woche zuvor war ich bei tollem Sonnenschein spontan drei Runden um den
Maschsee gelaufen und da kam ernsthaft der Gedanke auf, mich
über
die Halbmarathonstrecke zu wagen. Vom Dentisten bekam ich das
grüne Licht und so stand meinem dritten 21er nichts mehr
entgegen. Die Sportsachen
für Sonnenschein, notfalls auch für Regen lagen
bereit, ich warf noch einen Blick auf die Startunterlagen mit der
Streckenführung
einschließlich der Versorgungspunkte. Der Streckenverlauf war
wie in den letzten Jahren der gleiche, Start und Ziel das neue Rathaus.
Ansonsten
entlang am Maschsee, Berliner und Hamburgerallee, weiter zur Nordstadt
und vorbei an den Herrenhäuser Gärten und dem
Friedrichswall
entgegen. Aber ehe ich da nach 21,09 km ankommen konnte lag noch eine
Nacht dazwischen. Am Abend ging es früh ins Bett, somit war
ich ausgeruht
und eine gewisse Vorfreude war nicht zu verhehlen, auch wenn sie etwas
getrübt wurde, durch das Wetter.
Sonntagmorgen
6.30 ein Blick aus dem Fenster es regnete und das Thermometer zeigte
gerade
mal 11 Grad, nichts vom Sonnenschein der letzten Tage zu sehen. Da
kamen dann Zweifel auf, sollte ich mir das antun, bei dem Wetter zu
laufen,
wo ich doch lieber bei Sonnenschein und 20 Grad aufwärts
unterwegs bin? Aber dann dachte ich positiv, wird es halt ein Regenlauf
und vielleicht
kommt bis zum Startschuss halb elf die Sonne doch noch durch, oder es
hört zumindest auf zu regnen. Bei einem
Frühstück bestehend
aus zwei Tassen Kaffee und zwei Hörnchen mit Honig
stärkte ich mich und war trotz allem guter Dinge. Meine
bessere Hälfe hatte sich
bereit erklärt mein Fahrer, Taschen- und
Getränketräger zu sein, solche Unterstützung
kann ich immer gut gebrauchen.
Gegen
10.00 Uhr waren wir bereits am neuen Rathaus am Start/Zielbereich und
die ersten Marathonis für die bereits 9.00 der Start war, sah
man vorbeiflitzen. Sie mussten den Kurs zweimal durchlaufen.
Ansonsten war reges Treiben, Regenschirme waren überall zu
sehen, die von den Angehörigen schützend
über ihre Läufer
gehalten wurden. Ein Blick zur Uhr noch gute 20 Minuten bis zum Start,
die Anspannung stieg und der Ruhepuls lag mit 10 Schlägen
über
meinem normalen, dies kannte ich aus vorherigen Wettkämpfen
schon. Die letzten Tage hatte ich es ruhig angehen lassen und den
Samstag verbrachte
ich gemütlich auf der Terrasse (s.o.). Zur Beruhigung nahm ich
noch ein paar Schlucke von meinem Basica Getränk, um meine
Nervosität
etwas in Grenzen zu halten, lief locker ein bisschen auf und ab. Dabei
hielt ich Ausschau, ob ich ein paar Spargelsprinter sehe oder andere
bekannte
Läufer. Von der Laufgruppe sah ich keinen, aber dafür
einige Kollegen von der NORD/LB, die ich beim Sparkassenmarathon im
letzten Herbst
kennen gelernt hatte. Wir begrüßten uns, plauderten
ein wenig und so legte sich auch etwas die Aufregung.
10
Minuten vorm Start musste ich endlich die Kleiderfrage klären,
kurze
Hose oder doch lange und mit Jacke oder nur T-Shirt. Mein Betreuer nahm
mir die Entscheidung ab, er hatte sich umgeschaut und viele waren
wirklich
nur in leichter Laufbekleidung unterwegs und meinte dann: Keine Jacke!
Damit war klar, 3/4 lange Laufhose und das Spargelsprinter Shirt, zum
Schutz der Brille ein Cap mit Schirm. Vorab
gesagt, dies war die richtige Entscheidung!! Dann endlich war es
soweit,
der Startschuss fiel und der Ruhepuls war bei 130, ich hatte mir das
Ziel gestellt unter 2 Std. zu laufen und ließ es ruhig
angehen. Ich horchte
in mich hinein, kein Zwicken oder Zwacken, ich fühlte mich
gut. Es nieselte nur noch leicht und hörte dann sogar
zwischenzeitlich auf.
Irgendwie stand ich relativ weit vorn im Starterfeld, so dass mich auf
den ersten Kilometer doch sehr viele Läufer
überholten, u.a.
auch Rainer mit dem ich noch ein paar Worte wechselte. Ich versuchte
mein Tempo zu laufen und das gelang mir auch ganz gut, ich dachte
einfach es
ist ein lockerer Trainingslauf und ich muss meine Runde diesmal nicht
allein drehen wie so oft, wenn in Warschau unterwegs bin, wo ein
Stundenlauf
sich manchmal doch hinzieht.
Anhand
des Streckenplanes wusste ich, wo die Getränkestellen und auch
Verpflegungspunkte sind, alle 2,5 bzw. 5,0 km. Die Organisatoren hatten
sich sicher auf einen
Tag mit mindestens 20 Grad und herrlichem Sonnenschein eingestellt und
da hätte der Flüssigkeitsspeicher öfters
aufgefüllt
werden müssen. Ich bediente mich nur beim Wasser, da ich meine
eigenen Energieriegel dabei hatte und die wollten dann schwimmen. Da
die Strecke
teilweise für alle Läufer die über 10 km, 21
km und 42 km galt, war die Ausschilderung teilweise etwas irritierend.
Von anderen
Läufern hörte ich des Öfteren, das passe
doch nicht, ach das ist die Ausschilderung für die 10 km
Strecke. Irgendwie beruhigte
mich, das es anderen ähnlich erging.
Nach
ca. der Hälfte der Strecke sprich bei km 10, lag ich im Plan
exakt bei 55:00 Minuten, ich fühlte mich noch frisch und der
Puls schwankte
zwischen 153-159, alles im normalen Bereich. Die Zuschauer standen
trotz des ungemütlichen Wetters an der Strecke und feuerten
einen lautstark
an mit Jubel, Applaus, Tröten sowie Rasseln die zuvor vom
Sponsor verteilt wurden, aber auch mit Instrumenten, so dass ich
teilweise lachen
musste und es machte einfach nur Spaß entlang der teilweise
dichten Menschenmassen zu laufen. Da merkte ich das Zwacken im linken
Oberschenkel
nicht so, was sich bei km 15 bemerkbar machte , mein einziger Gedanke
war locker laufen, vergeht auch wieder. Das half und auch die Zuschauer
trugen mich auf den letzten Kilometern nach vorn. So konnte ich ab km
19 noch etwas an Tempo zulegen, ich merkte da ging noch was und da kam
der Gedanke hoch, vielleicht schaffst Du es ja Deine Bestzeit von
1:52:32 von Schwerin zu unterbieten. Ich rollte das Feld von hinten auf
und manch
einen überholte ich, der zu Beginn des Rennens mich
überholt hatte. Dies gab noch mal Auftrieb und je
näher ich dem Ziel kam,
umso mehr Zuschauer waren an der Strecke und die
Geräuschkulisse stieg kräftig an.
Was wäre gewesen bei Sonnenschein und wärmeren Temperaturen!?
Ja
und endlich kam die Zielgerade und ich dachte mir, so jetzt aber noch
mal ein kleiner Spurt wie beim Lauftreff im Burgdorfer Holz. Schnell
über
die rote Matte, es piepste, ich japste der Blick zur Uhr und die
Stoptaste gedrückt, wau 1:52:42, der Puls bei 174, aber
glücklich.
Viele
drängelten sich mit mir im Ziel und warteten darauf ihre
Finisher-Medaille
zu bekommen, dann ging es die doch etwas sehr enge Verpflegungsstrasse
entlang, wo ich mir einen Becher Wasser nahm und Bananen zur
Stärkung,
eine Plane bekam man auch, die ich gut gebrauchen konnte, es fing
wieder an zu nieseln und kalt war mir auch. Dann hielt ich Ausschau
nach meinem
Betreuer, er stand wie viele andere Angehörige hinter der
Absperrung. Er meinte zu mir, wusste ich doch, dass Du unter 2 Std. ins
Ziel kommst
und ein bisschen Stolz schwang mit. Ich war völlig aus dem
Häuschen und trotz der 21er km noch erstaunlich frisch. Ich
schaute noch einmal
nach bekannten Gesichtern, aber ohne Erfolg.
Jetzt sehnte ich mich nach einem heißen Bad, also ging es locker
joggend zum Auto, das wir relativ nah bei der VGH parkten und ab ging es nach Hause.
Dann
hatte ich noch gut 2 Std. Zeit um mich auszuruhen, denn für
16.30
hatte Berni alle Spargelsprinter und ihre Familien zur Grillfete
eingeladen. Jeder steuerte etwas bei ob Salat, Muffins, Nachtisch oder
auch Obst.
Bei Steak, Bier und... wurde gefachsimpelt und es erfolgte eine
ausgiebige Auswertung der einzelnen Läufe. Berni schaffte es
seine Bestzeit
zu unterbieten damit hatte sich sein aufwendiges Training gelohnt,
neben der teilweise schwierigen Koordination mit seiner Arbeit, auch
Ralf war
mit seinem ersten gelaufenen Halbmarathon in Hannover mehr als
zufrieden. Dagegen verpasste Dirk seine angestrebte Zeit um zwei
Minuten und auch
Rainer war nicht ganz so zufrieden mit seiner Endzeit. Trotz allem, ob
Bestzeit erreicht oder nicht, es war ein tolles Lauferlebnis und macht
Lust auf mehr. Für mich war es ein kleiner Schritt Richtung
Berlin, denn dort möchte ich am 26.September meinen ersten
Marathon laufen.
Zum Abschluss sahen wir uns im Fernsehen auf N3 noch einen kleinen Bericht
zum 14.Spielbanken Marathon 2004 an, ehe jeder nach Hause fuhr.
Was ist das wieder ein schönes Wetter, heute am Montag danach,
mindestens 22 Grad und wegen der Bekleidung, Ihr ahnt es, s.o.
|